Regionale Identität fördern

Bild: Boris Peinemann

Von Helge Frank in Kommunalwahl 

Was macht regionale Identität aus? Wie kann man sie beschreiben und gegebenenfalls verändern oder weiterentwickeln? Wer sind die Akteure am Ort mit der Möglichkeit, auf die Identität der Bevölkerung einzuwirken?


Bild: Boris Peinemann

Diese Fragen sind gemeinhin nicht mit Statistiken und aus vorgefertigten Sprachhülsen heraus zu beantworten. Dafür braucht es sachbezogene Kenntnisse, die den kommunalen Verwaltungen nicht aus Gesetzes- und Verordnungstexten, also gewissermaßen automatisch zuwachsen, sondern nur zu erhalten sind, indem Personen, die über solche Kenntnisse verfügen, in die Entscheidungsgremien gewählt und dann auch von der Verwaltung konsultiert werden. Dies ist vielleicht nicht der entscheidende, aber gleichwohl ein wichtiger wunder Punkt in der augenblicklichen Lage des Oberharzes.

Es gibt viele, die die Überzeugung vertreten, es habe im Oberharz nie etwas anderes gegeben als den Bergbau. Selbst wenn diese Einschätzung zutreffend wäre, dann würde sich spätestens seit 1930 für Clausthal-Zellerfeld die Frage stellen: Was nun? Neunzig Jahre ohne Bergbau, nach dem Bergbau, jenseits des Bergbaus sollten Anlass genug (gewesen) sein, die regionale Identität, in der der Bergbau stets eine wichtige Rolle spielen wird, um weitere Elemente zu ergänzen und damit zu bereichern: mit der wichtigen Funktion, die mittlerweile der Tourismus einnimmt, mit dem Erholungswert des Oberharzes auch für die Einwohner selbst, mit den sportlichen Ambitionen, mit den kulturellen Ansätzen, die gerade in den letzten Jahren ausgebaut worden sind, und nicht zuletzt mit den zwar aus dem Bergbau erwachsenen, aber über diesen hinausweisenden Aktivitäten im Bereich der Technischen Wissenschaften.

Dafür könnte es sinnvoll sein, wenn sich die Stadt Clausthal-Zellerfeld dieses gesamten kulturellen Erbes annähme, und damit sind nicht einmal in erster Linie finanzielle Anstrengungen gemeint, die stets unter dem Vorbehalt schwieriger Haushaltsbedingungen stünden. Wenn im Rathaus der Ehrenbürger der Technischen Universität gedacht wird, die Ehrenbürger der Stadt selbst hingegen völlig unbekannt sind, wirft das ein seltsames Licht auf das kulturelle Selbstverständnis. Wenn das städtische Bergbaumuseum allein mit dem verdienstvollen Betreiber (Welterbestiftung), nicht im geringsten aber mit dem Eigentümer (Stadt) verknüpft wird, fehlt ein Kristallisationspunkt für lokale Identität und Bürgerstolz. Wenn das Stadtarchiv von Teilen der Verwaltung verleugnet wird und der Öffentlichkeit gegenüber archäologische Funde bei Straßensanierungen als „unerklärlich“ hingestellt werden, obwohl es sehr wohl Erkenntnisse darüber gibt, diese an die Öffentlichkeit zu tragen seitens der Verwaltung aber untersagt wird, dann fragt man sich unweigerlich, ob die Aufschrift an den Ortseingängen in ihrer semantischen Unbedarftheit nicht doch stimmt: „Ehemals freie Bergstadt“ … und was sind wir jetzt?


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